Integrationsbegleiterinnen in Kitas

Das Modellprojekt „Integrationsbegleiterinnen in Kitas“ wird seit 2016 vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKFFI) und der Auridis-Stiftung gefördert und von der AWO OWL in Ostwestfalen-Lippe durchgeführt.

 

Projektidee und Ziele
Das Projekt zielt auf die Integration von Kindern und Familien mit Flucht- oder Migrationserfahrung in Kitas. Es setzt dabei auf drei Ebenen an:

  1. Schulung von Frauen mit Integrationserfahrung
    Frauen mit eigener Integrationserfahrung aufgrund von Flucht oder Migration werden zu Integrationsbegleiterinnen geschult und bekommen einen niedrigschwelligen Zugang zum Arbeitsmarkt.
     
  2. Unterstützung von Kindern und Eltern
    Die Integrationsbegleiterinnen unterstützen Kinder und ihre Eltern mit Flucht- oder Migrationserfahrung in Kitas. Sie fungieren als Mittlerinnen zwischen den Kindern und ihren Familien auf der einen Seite und Fachkräften auf der anderen Seite, dolmetschen und sind Identifikationsfiguren.
     
  3. Unterstützung der pädagogischen Fachkräfte
    Pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen werden durch den Einsatz der Integrationsbegleiterinnen unterstützt und entlastet.

 

Projekthistorie

1. Schulungsdurchgang (März 2017 – September 2017)
20 Frauen werden von der AWO OWL in Bielefeld zu Integrationsbegleiterinnen geschult. Im Anschluss werden 18 Integrationsbegleiterinnen in Kitas der AWO OWL in Ostwestfalen-Lippe, zunächst befristet, angestellt. Die Arbeitsverträge von 13 dieser Integrationsbegleiterinnen werden im Jahr 2019 entfristet; für 5 Integrationsbegleiterinnen ergeben sich zwischenzeitlich neue Perspektiven (z. B. Ausbildungen, Sprachkurse, neue Arbeitsperspektiven durch die Anerkennung von Abschlüssen aus dem Ausland).

2. Schulungsdurchgang (November 2018 – Mai 2019)
26 Frauen werden von der AWO OWL in Bielefeld zu Integrationsbegleiterinnen geschult. Im Anschluss werden 16 Integrationsbegleiterinnen in Kitas von 5 verschiedenen Trägern in Ostwestfalen-Lippe, zunächst befristet, angestellt. Für 4 weitere Integrationsbegleiterinnen ergeben sich im Laufe der Schulung oder im Anschluss neue Perspektiven (z. B. Ausbildungen, neue Arbeitsperspektiven).

 

Finanzierung der Schulung
Nach erfolgreicher Zertifizierung als Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung (nach §179 SGB III sowie §3 AZAV) kann die Schulung der Frauen zu Integrationsbegleiterinnen nun über Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine finanziert werden. Geflüchtete und migrierte Frauen, die Anspruch auf einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein haben, können somit an der Schulung teilnehmen. Sie wird durch einen zertifizierten Bildungsträger durchgeführt. Für teilnehmende Kitas entstehen für die Dauer der Schulung keine Kosten.

Voraussichtlich ab November 2019 wird die AWO OWL einen dritten Schulungsdurchgang für Integrationsbegleiterinnen, nun in der Struktur einer AZAV-Maßnahme, in Bielefeld durchführen.

 

Weitere Informationen:
Franziska Eisenhuth (Projektleitung „Integrationsbegleiterinnen in Kitas“)
franziska.eisenhuth@awo-owl.de
0521-9216249

Wenn Sie sich für eine Umsetzung des Projekts "Integrationsbegleiterinnen in Kitas" in Ihrer Kommune interessieren, berät und unterstützt die AWO OWL Sie dabei gerne. In unserem Flyer finden Sie alle Informationen kurz zusammengefasst.

Nähere Informationen zum Projekt

Der Schulung voran geht eine einmonatige Akquisephase, in der ein Sozialarbeiterinnen-Team Kennenlerngespräche mit potentiellen Teilnehmerinnen führt und jeweils eine geeignete Kandidatin für eine Kooperationskita sucht. Voraussetzungen für eine Teilnahme an der Schulung aufseiten der Teilnehmerinnen sind

  • eine eigene Integrationserfahrung aufgrund von Flucht oder Migration nach Deutschland,
  • mündliche Deutschkenntnisse, die eine Verständigung im Alltag ermöglichen (kein zertifiziertes Sprachniveau erforderlich),
  • der Anspruch auf einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (die Teilnehmerin sollte Jobcenter-Kundin sein) sowie
  • eine persönliche Eignung und ein Interesse an der Schulung sowie einer Tätigkeit in der Kita.

Die Schulung selbst umfasst im Anschluss an die Akquisephase eine Dauer von sieben Monaten und ist in zwei Blöcke aufgeteilt:

1. Fachpraktische Anleitung/ Unterricht:
Die Teilnehmerinnen werden durch ein Sozialarbeiterinnen-Team geschult und beratend begleitet. Der Unterricht umfasst über 4 Monate hinweg 2 Vormittage pro Woche à 3 Zeitstunden. Nach 2 Monaten hospitieren die Teilnehmerinnen zusätzlich an einem Tag in der Woche in einer festen Kooperationskita à 5 Zeitstunden.

2. Fachpraktische Erprobung/ Praktikum:
An die Unterrichtsphase schließt sich ein 3-monatiges Praktikum im Umfang von 10 bis 14 Wochenstunden in der jeweiligen Kita an, in der die Teilnehmerinnen bereits hospitiert haben. Die Sozialarbeiterinnen prüfen parallel individuelle Berufsperspektiven mit den Teilnehmerinnen.

In Abhängigkeit von zur Verfügung stehenden Finanzmitteln wird im Anschluss möglichst eine Anstellung der Integrationsbegleiterinnen in den Kitas realisiert, in denen sie ihr Praktikum absolviert haben.

Auswahl der Schulungsinhalte:

  • Aufgaben der Kita, Bildungsgrundsätze NRW, Rolle der Erzieher*innen, Bild vom Kind
  • Sprachbildung, Mehrsprachigkeit, Sprachmittlung
  • Vielfalt, Gender, Partizipation
  • Bewerbungstraining (Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsgespräche)
  • Vorstellung sozialer Berufe (z. B. Hauswirtschafter*in, Sozialassistent*in, Schulbegleitung)

Zusätzlich werden eine Auftakt- und eine Abschlussveranstaltung sowie Arbeitskreise (z. B. zu Anstellungsmöglichkeiten) unter Beteiligung der teilnehmenden Kitas und Trägervertreter*innen durchgeführt.

Im Anschluss an die Schulung bestehen verschiedene Möglichkeiten, Integrationsbegleiterinnen in Kitas anzustellen:

1. Finanzierung über Budgets von Kitas:

  • Finanzierung von Integrationsbegleiterinnen als zusätzliches nicht-pädagogisches Personal (im Rahmen des Gesamtpersonals)
  • (Teil-)Finanzierung über zusätzliches Budget eines Familienzentrums
  • (Teil-)Finanzierung im Verbund von Nachbarkitas: Finanzierung über zusätzliche Finanzmittel oder durch eine Umlage von mehreren Kitas; hier kann bei Bedarf ein „Sprachmittlungspool“ entstehen, wenn mehrere verschiedensprachige Integrationsbegleiterinnen angestellt werden, die z. B. bei Elterngesprächen in den verschiedenen Kitas dolmetschen

2. Finanzierung über kommunale oder weitere Mittel (z. B. Stiftungen)

  • Kommunen oder Stiftungen finanzieren oder bezuschussen die Anstellung von Integrationsbegleiterinnen in Kitas.

Die Schulung und Einstellung von „Integrationsbegleiterinnen in Kitas“ soll im Anschluss an zwei erfolgreiche Projektdurchläufe in Ostwestfalen-Lippe nun in NRW verbreitet werden. Die AWO OWL wird interessierte Akteur*innen bei dem Aufbau weiterer Schulungsorte für Integrationsbegleiterinnen in NRW beraten und unterstützen.

Für den Aufbau eines neuen Standortes wird eine regionale Kooperation benötigt zwischen

1. einem oder mehreren Träger(n) von Kindertageseinrichtungen,
- Frauen mit eigener Integrationserfahrung aufgrund von Flucht oder Migration absolvieren ein Praktikum im Rahmen der Schulung in einer festen Kooperationskita, möglichst mit der Perspektive einer Anstellung in dieser –

2. einem AVAZ-zertifizierten Träger von Maßnahmen,
- der Träger lässt sich die Maßnahme zur Schulung von Integrationsbegleiterinnen bei einem Zertifizierungsunternehmen zertifizieren und führt dann die Schulung zu Integrationsbegleiterinnen in Kitas durch –

3. sowie einem oder mehreren regionalen Jobcenter(n)
- Jobcenter stellen geeigneten Kundinnen mit Integrationserfahrung einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein zur Teilnahme an der Schulung aus.

Eine Selbstevaluation des Projekts zeigt, dass alle teilnehmenden Kitas die Integrationsbegleiterinnen als bereichernde Ergänzung des pädagogischen Fachteams wahrnehmen. Der Einsatz von Integrationsbegleiterinnen bietet Entlastung für die Teams und führt dazu, dass geflüchtete und migrierte Kinder und ihre Familien besser in den Kitaalltag integriert sind, partizipieren können und sich im Kitateam repräsentiert sehen.

Für Frauen mit Integrationserfahrung bietet die Teilnahme an der Schulung einen niedrigschwelligen Einstieg in den Arbeitsmarkt. Die bisherigen Projektdurchläufe zeigen, dass die Mehrheit der Integrationsbegleiterinnen nach erfolgreicher Qualifizierung in den Einrichtungen eingestellt wird. Einige Teilnehmerinnen entwickeln weitergehende Perspektiven und streben im Anschluss Weiterqualifizierungen an, sofern hierfür die entsprechenden Qualifikationen vorliegen (z. B. eine Ausbildung im frühpädagogischen Bereich).